Historie ‹Vereinigte Bootleute›

125. Jähriges Firmenjubiläum

Gegründet im September 1877 sind die Vereinigten Bootleute Hamburgs ältester Dienstleister im Bereich der Schiffsbefestigung. Zeitgleich begann bspw. der Werftbetrieb bei Blohm + Voss, unser direkter Nachbar auf der Südseite der Elbe, und in Wimbledon wurde im Weißen Sport erstmals aufgeschlagen.

Angefangen als Arbeitsgemeinschaft schlossen sich die "Einzelkämpfer der Festmacher" zusammen, und bündelten Ihre Kräfte, anstatt, wie vorher üblich, gegenseitig mit dem „Piek-Haken“ längsseits der Schiffe einen Kampf um den Kunden auszutragen. Denn damals wurde nach dem Prinzip „first come, first served“ verfahren.

So entstand auch die noch heute verwendete Firmierung Vereinigte Bootleute.

Aus einer ursprünglichen Arbeitsgemeinschaft entstand mit der Zeit ein eigenständiges Unternehmen, welches im Jahre 1953 eine weitere Arbeitsgemeinschaft, die Arbeitsgemeinschaft Hamburger Schiffsbefestiger, mitgründete. Wie bereits 1877, bündelte man 76 Jahre später wieder seine Kräfte, und schloss sich mit den Unternehmen Wilhelm Helm, Max Meyn und der Horst Barghusen GmbH zusammen.

Bis heute hat sich diese Strategie bewährt, denn ein so bedeutsamer Hafen wie Hamburg mit seinen hohen Frequenzen, allen erdenklichen Schiffstypen und zahlreichen Liegeplätzen und Anlagen, benötigt zwangsläufig Dienstleister mit Know-how und "Background", um die Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs zu jeder Zeit gewährleisten zu können.

Seit jeher ist der Betrieb in Familienbesitz und inhabergeführt.

Von Jakob Brockmann (* 22.02.1886 – † 08.01.1958) mitgegründet, später von dessen Sohn Hans Brockmann (* 12.09.1916 – † 27.11.1992) übernommen, der wiederrum an seinen Schwiegersohn, Detlef Ramm übergeben hat, war Hans Brockmann doch stolzer Vater zweier Töchter.

Seit 2011 in nunmehr vierter Generation geführt durch Herrn Frederik Heinrich, gelernter Schiffahrtskaufmann und seit 2004 im Unternehmen tätig, schauen die Vereinigten Bootleuten der Zukunft positiv entgegen.

Fest angedockt in Hamburg

Die Herausforderung Unternehmensnachfolge meistern. Eine 2010 erschienene Studie des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung geht davon aus, dass allein bis zum Jahr 2014 fast 3.500 werthaltige Hamburger Inhaber- und Familienunternehmen ihre Unternehmensnachfolge klären müssen. Diese Unternehmen stehen nicht nur für erhebliche Wertschöpfung, sondern auch für rund 53.000 Beschäftigte.

Nicht vom Vater zum Sohn, sondern vom Onkel zum Neffen. Wie die Vereinigte Bootleute Schiffsbefestigung GmbH endlich ein Familienbetrieb wurde.

Wer die „Schaltzentrale“ des Festmacherbetriebes besucht, begibt sich auf wackeliges Terrain. Die Geschäftsführer Detlef Ramm und Frederik Heinrich sitzen in einem kleinen Büro auf dem Ponton, direkt an der Elbe.

Seit 45 Jahren ist Ramm nun schon bei den Vereinigten Bootleuten beschäftigt„ … und war nur einen Tag krank“, ergänzt sein Neffe Frederik Heinrich. Die beiden schweißt die Liebe zum Wasser und zur Seefahrt zusammen. Ramm ist gelernter Schlosser, hat zunächst im Flugzeugbau gearbeitet und dann bei den „Bootleuten“ angeheuert, wurde später Betriebsleiter, bevor er 1984 die Möglichkeit erhielt, die Hälfte des Unternehmens von seinem Schwiegervater zu übernehmen. Bis vor zwei Jahren hat er dann das Unternehmen gemeinsam mit Henry Temple geführt, es wiederum von seinem Vater geerbt hatte. Gegründet wurde der Betrieb bereits 1877 durch Jakob Brockmann, Heinrichs Urgroßvater.

Neben kaufmänischen Sachverstand brauchen Nachfolger auch Branchenkenntnisse.

Als Henry Temple sich entschlossen hatte, seinen Anteil aus Altersgründen zu verkaufen, musste er nicht lange nach einem würdigen Nachfolger suchen. Den hatte er direkt vor der Nase: Der Neffe seines Partners. Schon als Schüler ist Frederik Heinrich oft runter zu seinem Onkel ans Wasser und ist auf den Festmacherbooten mitgefahren, um seine Hausaufgaben an Bord zu erledigen. Es folgte eine Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann, nach deren Abschluss er schon kräftig im Festmacherbetrieb mitarbeitete. „Meine Ausbildung war natürlich von enormer Wichtigkeit bei der Übernahme. So ein Unternehmen kann man nur weiterführen, wenn man gewisse Vorkenntnisse hat und die Abläufe im Hamburger Hafen kennt. Schließlich arbeiten bei uns Männer, die schon über 35 Jahre dabei sind, wenn man sich da nicht auskennt, hat man einen sehr schweren Einstieg“, sagt der 29-jährige Heinrich.

Bis zur Übernahme war der jetzige Gesellschafter angestellt. Die ersten zwei Jahre hieß es dann „rauf aufs Boot“, so dass Heinrich ständig auf dem Wasser unterwegs war. Dort hat er getan, was seine jetzigen Mitarbeiter tagtäglich tun: Hat Schiffe an Poller und Dalben vertäut, Ölwechsel durchgeführt und die Einsätze eingeteilt. „In so einem Betrieb müssen schließlich auch Investitionen getätigt werden, da muss ein Geschäftsführer wissen, worauf es ankommt“, ergänzt Ramm und spielt auf den Fuhrpark an, der die beiden Festmacherboote „Hans“ und „Henri“, zwei Windenfahrzeuge und drei Pkw umfasst. Sind die Schiffe bis zu 120 Meter lang, klappt die Vertäuung auch ohne Windenfahrzeug, das das schwere Tauwerk an der Kaianlage hochzieht, aber danach wird’s schwierig. „Die Containerschiffe der Reederei „China Shipping“ zum Beispiel, die sind 349 Meter lang, da werden zwölf Leinen benötigt“, erklärt Heinrich. Die Schiffe, die nicht an Containerterminals festmachen, liegen an den Dalbenanlagen mitten im Fahrwasser. Bei Niedrigwasser müssen die Mitarbeiter dann schon mal einen fünf Meter hohen Pfahl hochkrabbeln, wo sie von einer kleinen Plattform aus die Tampen über den Pfahl ziehen und befestigen. Hin wieder ruft auch das Oberhafenamt an und bittet um schnelle Hilfe, wenn ein Schiff an den Finkenwerder Pfählen, dem Notliegeplatz, festgemacht werden muss. Dann werden sofort acht Mann gebraucht. In Hochzeiten müssen 25 Mitarbeiter parallel im Hafen disponiert werden. Der Hamburger Hafen schläft nie: Hier wird an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr an- und abgelegt. Von den Festmachern erfordert das viel Flexibilität. Auch von Frederik Heinrich, denn mindestens drei seiner Mitarbeiter sind ständig im Dienst und für die muss er erreichbar sein.

„Ursprünglich waren die Festmacher alle Einzelkämpfer“, sagt Frederick Heinrich, „wie unser Name Vereinigte Bootleute schon sagt, haben wir dann begonnen, uns zusammenzuschließen.“ Heute sind fünf Einzelbetriebe mit 96 Mitarbeitern in der Arbeitsgemeinschaft Hamburger Schiffsbefestiger (ArGe HSB) zusammengeschlossen, die die Arbeitseinsätze organisieren – und das für 82 Prozent des gesamten Schiffsaufkommens im Hamburger Hafen.

Seine Übernahmeverhandlungen hat Heinrich auch nicht als Einzelkämpfer geführt: Dafür hat er sich seinen Steuerberater ins Boot geholt. Genauso der ehemalige Geschäftsführer Temple. Um den Wert des Unternehmens zu ermitteln, haben beide Parteien eine Analyse auf Basis des Ertragswertverfahrens erstellen lassen. Dann wurde zäh verhandelt, mit mehreren Unterbrechungen. Am Ende haben sie sich diplomatisch in der Mitte getroffen. Die Finanzierungssumme bestand zu 30 Prozent aus Eigenkapital. Aus heutiger Sicht ist Heinrich mit dem Kaufpreis zufrieden, die Umschlagzahlen im Hamburger Hafen sind wieder gestiegen. Aber damals, während der Wirtschaftskrise lag auch die Hafenwirtschaft am Boden und eine Übernahme erschien als Wagnis. Darum rät Heinrich Unternehmenskäufern, sich zuallererst den Markt genauestens anzuschauen, um die Marktentwicklung realistisch einschätzen zu können. Er selbst holte sich seine Informationen aus der Fachpresse und bei den Gesellschaftern der ArGe.

Bei der Kaufpreisfindung zählen betriebswirtschaftliche Bewertungsmethoden und Verhandlungsgeschick.

Mittelfristig will Frederik Heinrich auch die andere Hälfte der „Vereinigten Bootleute“ übernehmen. Aber das hat noch Zeit. Zumal Detlef Ramm viel lieber mit anpackt, statt sich in den Ruhestand zu verabschieden. „Außerdem …“, so Heinrich, „sind wir ein richtig gutes Team.“

Quelle: Handelskammer Hamburg, September 2011

 

VBL Büro auf dem Ponton, direkt an der Elbe

Geschichte des Hamburger Hafens

An einem 120 Meter langen und sechs Meter breiten hölzernen Landungssteg machten erste Handelsschiffe fest. 1835 wurde vor dem Hamburger Berg, dem heutigen St. Pauli, ein eigener Dampfschiffanleger errichtet, um die Feuergefahr von den Segelschiffen fernzuhalten, 1840 wurden an dieser Stelle die ersten St. Pauli Landungsbrücken gebaut. Der Reichenstraßenfleet wurde 1877 zugeschüttet, sein Verlauf nördlich der Kleinen und der Großen Reichenstraße ist noch anhand von Straßennamen nachzuvollziehen.

St. Pauli-Landungsbrücken Hamburg

Die Landungsbrücken sind eine große Anlegestelle für Fahrgastschiffe am Nordrand des Hamburger Hafens. An ihrem westlichen Ende befindet sich der nördliche Eingang zum Alten Elbtunnel. Den östlichen Abschluss des Gebäudekomplexes bildet der Pegelturm. Auf halber Höhe des Turmes auf der Elbseite ist oben in der Mauer ein Wasserstandsanzeiger eingelassen, der über den aktuellen Stand der Tide informiert. In seiner zweiten Funktion ist der Pegelturm auch Uhren- und Glockenturm.